12. Oktober 2010 um 13:02 Uhr, 7 Kommentare

«Meli» – Meine erste Verliebtheit

Hier kommt nun eine weitere Geschichte, des biographischen Vierteilers, den ich Gestern angekündigt habe. Die Aufgabenstellung diesbezüglich ist es, von der ersten Person zu erzählen, in welche man verliebt war. Dies natürlich erneut unter der Berücksichtung der vier Abschnitte einer Geschichte: Orientierung, Problem, Bewertung und Auflösung. Nun denn, auf zur Geschichte.

«Meli» – Meine erste Verliebtheit

Ich habe Meli wohl am ersten Tag des Kindergartens kennen gelernt. Sie wohnte gleich die Strasse runter neben der Primarschule und es würde sich einbürgern, sie die folgenden zehn Jahre lang periodisch darauf hinzuweisen, dass sie den kürzesten Schulweg hatte. Damals wurde sie von den meisten und heute wohl von den meisten Meli genannt. Ihr richtiger Name war Melanie und sie war das älteste von drei Kindern. Ihre Mutter war eine gute Freundin meiner Mutter und so kam es, dass ich oft bei Melis Familie eingeladen war. Wir spielten und bastelten oft in dieser Dachwohnung, die mir so viel spezieller erschien, als unsere eigene.

Eines plötzlichen Morgens fragte mich jemand, es war mein Vater oder mein Bruder, ob ich denn schon eine Freundin hätte. „Nein.“ – „Bist du denn in eine verliebt?“ – „Ja.“ Ich gab diese Antworten, ohne wirklich darüber nachzudenken. Und so verblüffte mich die darauffolgende Frage nach einer Person auch etwas. Ich überlegte, welche Mädchen ich kannte. Melanie. Sie war die erste, die mir in den Sinn kam. Natürlich waren mir auch andere Mädchen bekannt: Andrea, Barbara, Jessica und noch mehr. Alle hatten sie für mich den gleichen Stellenwert, doch Melanie war der erste und auch gleich ausgesprochene Name.

An dieser Stelle begannen dann die Gedanken in mir zu rotieren. Mir war klar, diese offensichtliche Verliebtheit würde alles verändern. Der männliche Verwandte, der mir diese Fragen gestellt hatte, hatte einen Stein in’s rollen gebracht, der nicht mehr gestoppt werden konnte. Ich wusste, ich musste etwas unternehmen. Etwas, das man eben macht, wenn man verliebt ist. Ich musste also einen Liebesbrief schreiben.

Ich begann damit, ein kariertes Blatt Papier mit gelbem Leuchtstift vollzumalen. Es war eines dieser dunkelbraunen Ökopapiere mit den grünen Häuschen darauf. Der Leuchteffekt blieb grösstenteils aus, doch war es aus meiner Sicht leuchtend genug. Ich griff mir den Füller und begann auf das noch feuchte, gelbe Papier zu schreiben. Es sah toll aus. Die quadrätchen auf dem Papier erschienen gräulich-schwarz unter dem gelben Filter. Die blaue Tinte, die aus der Feder auf  das Blatt lief, vermischte sich gerade genug, um noch scharf und trotzdem grün glitzernd zu erscheinen. Der Brief war fertig, wurde mit einem Willst-du-meine-Freundin-sein?-Ja-Nein-Feld ergänzt und der Konservation wegen, mit Klarsicht-Klebeband überklebt.

Beim Turnunterricht am nächsten Tag  erhielt Meli dann meinen Brief auf den Sportplatz. Sie stand vor mir auf dem roten, kornigen Boden und ich streckte ihr den Brief entgegen. Sie nahm ihn an, las ihn und sagte: „Ja.“

Ende

ja, so war das, mit meiner ersten Verliebtheit. Ich erinnere mich hierbei noch ganz genau an den Tag, wo man mich gefragt hat, in wen ich verliebt bin und ich weiss auch noch ganz genau, wie ich diesen Brief gebastelt habe. Bis auf die Frage am Ende des Briefes weiss ich jedoch nicht mehr, was ich überhaupt geschrieben habe. Wahrscheinlich war es nur ein einziger, krakeliger und nicht sehr origineller Satz. Aber was erwartet man auchvon einem Kindergärtner!?

Nun wieder zu den vier Teilen der Geschichte, die ich hier wiederum versucht habe, in die einzelnen Absätze zu Quetschen. Im ersten Abschnitt versuche ich zu orientieren, wo ich bin, wie alt ich bin und wie diese Freundschaft mit dieser Melanie zu stande kam. Im Zweiten entsteht das Problem der Verliebtheit. Möglicherweise ist das eigentliche Problem auch, dass ein 6 jähriger Junge nach dem Verliebtsein gefragt wird. Das will ich auch im nächsten Abschnitt aufzeigen: Ich bewerte die Situation damit, dass jetzt eine plötzliche, spezielle Last auf mir liegt. Ich musste plötzlich Dinge tun, deren eigentlichen Zweck ich gar nicht verstand. Zum Schluss, im vorletzten Abschnitt dann, die Lösung, dass ich eben diesen Liebesbrief herstelle. Der letzte kurze Abschnitt ist eine Art Epilog, der aber natürlich auch noch zur Lösung gehört. Ich wollte da einfach einen neuen Absatz 🙂

Eine lustige Anekdote noch: Melanie hat bis Heute nie mit mir Schluss gemacht. Somit sind wir nach kindergärtlichem Gewohnheitsrecht noch immer Zusammen. Unglaublich!

Cheerio, Pfoff

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