Schwule und Blutspenden

Ach, das war Heute mal wieder was.

Ich dachte im Zug – vollkommen zufällig – daran, einmal Blut spenden zu gehen. Wär ja cool, evt. rettet’s jemandes Leben, ne? Eine halbe Stunde später erhalte ich eine SMS meiner Heldin, die mir sagt, dass Schwule kein Blut spenden dürfen.

ähm, wie bitte?

Das dachte ich mir und fragte nach, woher sie das wisse. Sie weiss es von hier. Anscheinend geht es hier um eine Art Subgesetz, das schon lange bestehen muss, da es offensichtlich klar sein müsste.

Ein homosexueller Mann darf in der Schweiz kein Blut spenden. «Diese Sicherheitsvorkehrung ist notwendig, da Schwule häufiger HI-Viren im Blut tragen als Heterosexuelle», so Rudolf Schwab, Direktor des Blutspendedienstes.

Was für eine tolle und überhaupt nicht schubladisierende Aussage. Nicht, dass ich bestreiten will, dass die HIV-Infizierung bei Schwulen häufiger wäre. Ich weiss es nicht und werde mich auch bestimmt nicht auf das Niveau herablassen und mir irgend eine Statistik suchen, die das Gegenteil beweist. Statistiken sind meiner Meinung nach erwiesenermassen für’n Arsch – und das meine ich nicht Positiv.

Wie auch immer

Bei der Kreation einer solch bizarren Regelung sollte man sich vielleicht zuerst auch mal überlegen, warum die AIDS-Prävention bei vier von fünf Spots Heterosex zeigen und nur einmal zwei Dudes die sich nageln. Laut einigen jener bösen Statistiken, denen offensichtlich die AIDS-Prävention vertraut, sei es nämlich so, dass die Anzahl an Neuerkrakungen bei heterosexuellen Menschen kontinuierlich steige, während sie in der Schwulenszene langsam stagniere.

Wie gesagt, ich gebe nichts auf Statistiken. Aber wenn es etwas gibt, woraus wir einen Schluss ziehen können, ist es folgendes: Es gibt faktisch und fernab jeglicher Statistiken oder Hochrechnungen HIV-Infizierte jeglicher sexueller Ausrichtungen (auch wenn Sodomisten sich wohl eher Tollwut holen *haha*). Somit ist ein HIV-Test sowieso in jedem Blutspende-Fall unabdingbar und damit diese Diskussion über den Auschluss irgendeiner Gruppe vollkommen fehl am Platz.

Schwöttuhaftige Stümperhaftigkeit

Es ist aber natürlich auch wieder typisch: Der Homo will heiraten, will Kinder adoptieren und setzt sich irgendwelche Prides und Demos ein. Sich aber mal auf eine wirkliche Diskriminierung zu konzentrieren, das kann man nicht.

Cheers Pfoff

19 Kommentare

  1. Noja, habe kürzlich so einen Spielfilm gesehen, der den Horror in den 80gern zeigte, als AIDS erst entdeckt wurde. Da starben plötzlich Leute und wussten nicht warum. Sie hatten eine Blutkonserve erhalten. Anfangs dachte man ja, es sei eine Schwulenseuche und tappte völlig im Dunkeln was das ist.
    Ich nehme an, das kommt von damals. Wie hiess bloss der Film.

    Kürzlich habe ich einen Artikel gelesen, dass die Leute etwas nachlässig würden, weil es jetzt Medikamente gibt, wobei das ja sicher trotzdem nicht angenehm ist, sowas zu haben.

    Der AIDS Test ist aber auch nicht 100 Pro sicher.

    Damals in den 80ern starben ich glaube 300 000 Leute, bevor man die Blutkonserven endlich testete.

    Wie es statistisch ist, weiss ich nicht.
    Ich habe Statistiken gern
    Ich spende kein Blut. Ich habe Eisenmangel. Ausserdem wer will schon meine seltene Blutgruppe? Keiner.

    Ich finde es aber gut, das Thema aufzubringen. Man sollte es neu anschauen. Medizinisch wissenschaftlich, nicht von Laien.

  2. Das Problem ist, dass im Jetzt – vollkommen unabhängig davon, wie und wo das warum angefangen hat – jeder Mensch ein möglicher überträger jenster Krankheiten sein kann. Deshalb ist es vollkommen egal, wer wie warum und inwiefern nachlässig oder was auch immer ist.

    Jeder ist eine Bedrohung, somit muss jeder getestet werden und auch die chance dazu haben.

    Statistiken wären toll – sind aber leider in so vielen fällen nichtssagend, weil es meistens noch 3 andere statistiken von anderen menschen gibt, die jedes mal etwas anderes sagen.

  3. ist in Deutschalnd auch so. Da steht die sexuelle Orientirung im Fragebogen in einer einzigen Kategorie mit Promiskuität und „letztes Tattoo/Piercing innerhalb der letzten 12 Monate“. Alleine Wegen dem letzten Punkt dürfte ich schon nicht *Tattoos muster*

  4. @Marcel, Du meinst, in Deutschland muss man sowohl die Sexuelle Orientierung als auch angeben, ob man promiskuitiv oder wie das heisst, lebt? Oder nur Letzteres?

  5. ok, der fragebogen vom deutschen roten kreuz sieht ungefähr so aus:

    1) haben sie die und die krankheiten? ja () nein ()
    2) sind sie blutspender? ja () nein ()
    3) sind sie homosexuell, hatten sie geschlechtsverkehr mit häufig wechselnden partner, wurden sie in den letzten 12 monaten tättowiert oder gepierced? ja () nein ()

    klar soweit?

  6. Ach so. Herzlichen Dank. 🙂
    Das würde dann sicher heissen, dass man da nicht darf.

    Man könnte das homosexuell aus diesem Fragebogen streichen. Das sollte man, denke ich, denn entscheidend sind ja die häufig wechselnden Partner würde ich meinen. Wobei, wenn man heterosexuell ist und den Partner nie wechselt, aber nicht weiss, dass der Mann ins Puff geht oder sonstwas anstellt, dann nützt das auch nix, gell.

    Ich glaub, da muss man drüber sprechen. Werde das man anbringen an geeigneter Stelle.

  7. @Stupseli: Elli ist weg, schon vergessen? Wir sind alle game over, weil wir die nötigen Skills für das nächste Level nicht erfüllen…Anscheinend ist sie eines dieser komischen Computerspiele von denen alle sprechen…Keine Ahnung von sowas, ich kann nicht mal ne Mailingliste von ner Newsletter-Registration unterscheiden…O_o

    Mich hat das heute wirklich geschockt…Ich habe mir lange überlegt, was wohl der objektiv-rationale Grund für diese Einschränkung ist, und bin auf folgende Theorie gestossen, welche jedoch nichts in keiner Weise rechtfertigt:

    Laut gängigem Klischee schnackselt der Schwule etwa so gerne wie der Neger, und steckt sich daher auch häufiger mal mit HIV an…
    Das Virus ist erst nach einiger Zeit per Test nachweisbar.
    Wäre Blutspenden für Schwule erlaubt, bestünde ein vergleichsweise höheres Risiko, dass er sich am letzten Wochenende in ner Sauna, in ner Disco oder an einem anderen Ort, wo sich Schwule so rumtreiben, mit HIV angesteckt hat. Dies wäre jedoch noch nicht nachweisbar, und ein Test vor dem Spenden würde ein negatives Ergebnis zeigen. Unsere Probandenschwuchtel würde also HIV-verseuchtes Blut spenden, welches als solches aber nicht erkennbar ist. Irgendwann würde dann ein – womöglich sogar heterosexueller – Spender dieses tödliche Sahnetörtchengebräu injiziert bekommen, was ihn nicht nur mit HIV ansteckt, sondern was weiss ich noch für schreckliche andere Auswirkungen auf seine Gestik, seinen Kleiderstil und seine TV-Vorlieben haben könnte. Um zu vermeiden, dass die Welt innert kürzester Zeit von Typen bevölkert ist, welche rothaarige Frauen geil finden, in selbst designten T-Shirts rumlaufen und ne seltsame Gangart haben, werden Schwule also sicherheitshalber vom Blutspenden ausgeschlossen.
    Was Heteroblut in einem Schwulenkörper so alles anstellen könnte, daran will ich lieber gar nicht erst denken…

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